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Zwei Wege - Eine Katastrophe: Übereinstimmungen und Unterschiede in deutschen Europakonzepten, für die Wolfgang Schäuble und Jürgen Habermas stehen. Flugschrift No. 1 von Hans-Rüdiger Minow. Januar 2016. Als e-book (10,- Euro) oder in Print (18,90 Euro). Flugschrift hier bestellen.

Deutsche Militärpolitik

1871-1918

Lange vor der Gründung des deutschen Nationalstaats erklärt der spätere Reichskanzler Bismarck, die "deutsche Frage" müsse "auf dem Schlachtfeld gelöst" werden. Drei Kriege (gegen Dänemark, Österreich und Frankreich) ermöglichen schließlich die Proklamation des Deutschen Reiches im Jahre 1871. Innerhalb des Reichsverbundes dominieren die Herrschaftsstrukturen des preußischen Feudalismus, dessen höchstes Ordnungsprinzip militärischer Gehorsam ist. Der Berliner Kasernenhofton setzt sich auch im übrigen Deutschland durch. Bürokratie und Militär wachen über die Arbeit ihrer Untertanen, die in aufstrebenden Industrieunternehmen soldatisch parieren müssen. Militärische Tugenden ("Zucht und Ordnung") formen Alltagsleben und Kultur.
Als sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Wettlauf der großen Industriestaaten beschleunigt und die koloniale Neuaufteilung der Welt zu Kriegen führt, verlangt das Deutsche Reich nach gleichberechtigter Mitsprache. Das Berliner Bündnis aus Bürgertum und Feudaladel hält es für selbstverständlich, seinen Anspruch (ein "Platz an der Sonne") auch militärisch durchzusetzen. Aus dem geforderten Anteil an der Kolonialbeute wird ein Alleinanspruch, den Ideen von "deutscher Größe" begleiten und der zu Weltherrschaftsplänen führt.
Noch vor der Jahrhundertwende beginnt eine forcierte Aufrüstung. Der deutsche Generalstab entwickelt die berüchtigte Blitzkriegsstrategie: Deutschland solle den Krieg zur Durchsetzung seiner Expansionsziele als aggressiven Offensivkrieg führen. Das Überraschungsmoment, die auf einigen Gebieten hochentwickelte Waffentechnik, das gut ausgebaute Eisenbahnnetz, die Disziplin der vom preußisch-deutschen Militär gedrillten Soldaten und ein rücksichtsloses Vorgehen auch gegen die Zivilbevölkerung - diese Faktoren sollen ausgenutzt werden, um in schnellen Vernichtungsschlachten die entscheidenden Kräfte der Gegner nacheinander zu besiegen, ehe sich die Unterlegenheit des militärischen und ökonomischen Potentials Deutschlands auswirken kann.
Diese Pläne kommen in Ersten Weltkrieg zur Anwendung.



Fritz Fischer
Krieg der Illusionen
Die deutsche Politik von 1911 - 1914

Düsseldorf: Droste Verlag, 1987
ISBN 3-7700-0913-4
DM 32,-

"Wenn man um die Weltherrschaft kämpfen will, muß man dies von langer Hand her vorausschauend mit rücksichtsloser Konsequenz vorbereiten. Man darf nicht hin und her schaukeln, und eine Friedenspolitik treiben, sondern man muß restlos Machtpolitik treiben. Dazu gehört aber, daß der Grund und Boden, auf dem man steht, im Innern wie nach Außen fest und unerschütterlich bleibt. Wir haben unbewußt nach der Weltherrschaft gestrebt - das darf ich natürlich nur im allerengsten Kreise sagen, aber wer einigermaßen klar und historisch die Sache betrachtet, kann darüber nicht im Zweifel sein - ehe wir unsere Kontinentalstellung fest gemacht hatten." So die Selbstkritik des führenden deutschen Militärs Wilhelm Groener nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg. Der Autor untersucht die deutsche Innen- und Außenpolitik der unmittelbaren Vorkriegszeit (die geprägt war durch den Aufschwung eines völkischen Nationalismus) und zeigt, daß das Deutsche Reich den Weltkrieg ungenügend vorbereitet eröffnete. Die Umsetzung seiner Expansionspolitik begann zu einem relativ ungünstigen Zeitpunkt, da die Welt schon weitgehend unter die etablierten Mächte aufgeteilt war.



Fritz Fischer
Griff nach der Weltmacht
Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18

Düsseldorf: Droste Verlag, 1984 (Erste Auflage 1961)
ISBN 3-7700-0902-9
DM 24,-

In zahlreichen Dokumenten wird die provokative, auf Unterjochung der europäischen Nachbarn zielende Kriegspolitik des kaiserlichen Deutschland ausführlich dargestellt: Der maßgeblich von Deutschland heraufbeschworene Krieg diente einem Expansionsprogramm, das sich mit Europa nicht begnügte und nach Afrika, Asien und Amerika ausgriff. In der im Buchhandel verfügbaren Ausgabe fehlen zahlreiche Passagen zur deutschen Ostexpansion. Greifen Sie bitte auf die Originalausgabe zurück.



Helmut Otto / Karl Schmiedel (Hg.)
Der erste Weltkrieg

Dokumente Berlin: Militärverlag der DDR, 1977
(nur noch antiquarisch oder über Bibliotheken erhältlich)

Die in diesem Band vorliegenden Dokumente beleuchten die Kriegsvorbereitung und die Kriegführung der obersten Stellen des Militärs und des Staates. Sie zeigen, wie weitgehend die militärische und politische Führung Deutschlands bereit war, den Widerspruch zwischen weitreichenden Expansionszielen und unzureichenden materiellen Voraussetzungen durch eine überfallartige Kriegseröffnung und durch rücksichtslose Kriegführung mit verbrecherischen Mitteln und Methoden zu überwinden.

1918-1945

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches wird das deutsche Weltkriegs-Militär in die Weimarer Republik übernommen. Generäle und Offizierskorps bleiben sich im wesentlichen gleich, sollen aber einem entmilitarisierten, nicht mehr kriegsfähigen Staat dienen. Dieser Widerspruch wird unauflösbar. Statt des Aufbaus einer demokratischen Armee forcieren die Berliner Generalstäbler Revanchepläne. Bereits in den 1920er Jahren werden geheime Rüstungsprogramme aufgelegt. Weil es die internationalen Kontrollen umgehen will, sucht das deutsche Militär die Zusammenarbeit mit der Roten Armee und hält auf dem Territorium der UdSSR illegale Manöver ab. Die Umwandlung der vom Versailler Vertrag verordneten Rumpfarmee in ein Angriffsheer beginnt.
Mit Beginn der Reichskanzlerschaft von Adolf Hitler kommt es zur probeweisen Anwendung der wiedergewonnenen Potentiale. Obwohl die noch schwachen militärischen Kräfte hätten zurückgeschlagen werden können, weichen die Weltkriegssieger bei der deutschen Besetzung des Rheinlandes zurück. Ebenso unerwidert bleiben die paramilitärischen deutschen Ausfälle auf tschechisches Grenzgebiet. Die seit 1933 vorangetriebene Aufrüstung führt drei Jahre später zu einem Rüstungsvorsprung, der von den europäischen Konkurrenten kaum noch eingeholt werden kann. 1936 beschließt die politische Führung der Wehrmacht, daß die Kriegsfähigkeit binnen kurzem erreicht werden muß, 1937 ordnet sie Luftschläge gegen die spanische Republik an und eröffnet den Bombenterror gegen Zivilisten.
Mit dem Einmarsch deutscher Truppen nach Österreich rückt das Berliner Militär in günstige Ausgangspositionen für die erhofften Schlachten, die sie mit Angriffen auf Polen, Dänemark, Norwegen und Frankreich erst zu einem europaweiten Krieg, nach Überfall auf die UdSSR zum Weltkrieg ausweitet. Die Blitzkriegsstrategie der deutschen Generalität mündet in einen Vernichtungskampf, dem die wirtschaftliche Ausplünderung der unterworfenen Staaten nicht genügt. Die gegnerische Zivilbevölkerung soll für immer versklavt, das okkupierte Territorium zur Ödnis werden, sofern es nicht ausbeutbare, für die deutschen Herren nützliche Ressourcen bereithält. Zwecks Sicherung der Transportwege wird mit der Germanisierung Osteuropas begonnen ("Schaffung von Lebensraum").
Nach den ersten großen Niederlagen (Schlacht von Stalingrad) kämpfen die deutschen Besatzer jeden Widerstand rücksichtslos nieder. In Ost- und Südosteuropa begehen Wehrmacht und SS unzählige Kriegsverbrechen. In Italien und Frankreich kommen mehrere zehntausend Zivilisten in deutschen Massakern um. Erfaßt von der nationalsozialistischen Ideologie und ihrem alle Realität verzerrenden Fanatismus sichert die Wehrmacht den deutschen Rassekrieg und treibt der SS Juden, Sinti und Roma, Kriegsgefangene und Zivilisten zu, die zu Millionen ermordet werden.



Fritz Fischer
Bündnis der Eliten
Zur Kontinuität der Machtstrukturen in Deutschland 1871 - 1945

Düsseldorf: Droste Verlag, 1985
ISBN 3-7700-0911-8
DM 22,-

In diesem Buch kommt Fischer zu dem Schluß: "Das `Dritte Reich´ und damit der zweite Weltkrieg wären nicht möglich gewesen ohne das Bündnis zwischen dem aus dem Kleinbürgertum aufgestiegen `Führer´, dem Beweger der Massen und Willensmenschen, und den traditionellen agrarischen und industriellen Machteliten, die zugleich in der Wehrmacht und in der Diplomatie dominierten. ... Ohne sie wäre eine so massive Aufrüstung und die Ausrichtung der Wirtschaft auf die Kriegsvorbereitungen nicht möglich gewesen. Generelles Ziel war für sie die Wiederaufrichtung der deutschen Großmacht über die bloße Revision von Versailles hinaus, vor allem mit Blick auf Osteuropa, ein Osteuropa, das die wirtschaftliche Autarkie sicherte. Der Einsatz militärischer Gewalt war ein selbstverständlicher Faktor im Rahmen dieses politischen Kalküls."



Carl Dirks / Karl-Heinz Janßen
Der Krieg der Generäle
Hitler als Werkzeug der Wehrmacht

Berlin: Propyläen Verlag, 1999
ISBN 3-549-05590-0
DM 39,90

Neue Archivfunde der beiden Zeithistoriker belegen, daß das deutsche Militär nicht erst nach 1933, sondern spätestens 1923 mit der Vorbereitung für einen neuen Weltkrieg begann. Detailliert analysieren die Autoren die geheimen Rüstungsprogramme der 1920er Jahre, die Umwandlung der vom Versailler Vertrag verordneten Rumpfarmee in ein Angriffsheer und die Weltmachtträume der Militärs. Sie zeigen, daß die deutschen Generalität schon lange vor Hitler einen neuen Krieg plante und vorbereitete - Mobilmachung, Anforderungen an die Rüstungsindustrie, Planspiele für den Ostfeldzug -, der im Zweiten Weltkrieg Realität wurde.




Dietrich Eichholtz / Wolfgang Schumann (Hg.)
Anatomie des Krieges
Neue Dokumente über die Rolle des deutschen Monopolkapitals bei der Vorbereitung und Durchführung des zweiten Weltkrieges

Berlin: VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1969 (nur noch antiquarisch oder über Bibliotheken erhältlich)



Erhard Moritz (Hg.)
Fall Barbarossa
Dokumente zur Vorbereitung der faschistischen Wehrmacht auf die Aggression gegen die Sowjetunion (1940/41)

Berlin: VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1970
(nur noch antiquarisch oder über Bibliotheken erhältlich)



Gerhart Hass / Wolfgang Schumann (Hg.)
Anatomie der Aggression
Neue Dokumente zu den Kriegszielen des faschistischen deutschen Imperialismus im zweiten Weltkrieg

Berlin: VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1972
(nur noch antiquarisch oder über Bibliotheken erhältlich)



Wolfgang Schumann (Hg.)
Griff nach Südosteuropa
Neue Dokumente über die Politik des deutschen Imperialismus und Militarismus gegenüber Südosteuropa im zweiten Weltkrieg

Berlin: VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1973
(nur noch antiquarisch oder über Bibliotheken erhältlich)



Wolfgang Schumann / Ludwig Nestler (Hg.)
Weltherrschaft im Visier
Dokumente zu den Europa- und Weltherrschaftsplänen des deutschen Imperialismus von der Jahrhundertwende bis Mai 1945

Berlin: VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1975
(nur noch antiquarisch oder über Bibliotheken erhältlich)



Manfred Menger / Fritz Petrick / Wolfgang Wilhelmus (Hg.)
Expansionsrichtung Nordeuropa
Dokumente zur Nordeuropapolitik des faschistischen deutschen Imperialismus 1939 - 1945

Berlin: VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, 1987 ISBN 3-326-00215-7 (nur noch antiquarisch oder über Bibliotheken erhältlich)

Von DDR-Historikern sorgfältig ausgewählte und kommentierte Dokumentensammlungen mit Strategiepapieren und Stellungnahmen deutscher Unternehmer, Politiker und Militärs zu den Plänen des deutschen Imperialismus mit Schwerpunkt auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Die umfangreiche Edition ist ein Grundlagenwerk, das die Praxis der deutschen "Neuordnung" anhand zahlreicher "Dokumente aus den verschiedensten Instanzen des faschistischen Machtapparats" belegt. In den äußerst sorgfältig edierten Bänden sind die wichtigsten Selbstaussagen zur wirtschaftlichen Ausplünderung und detaillierte Befehle zur Massenvernichtung in den besetzten Ländern versammelt.



Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg.)
Vernichtungskrieg
Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1945. Ausstellungskatalog

Hamburg: Hamburger Edition, 1996
ISBN 3-930908-24-7
DM 40,-

1945, kaum daß Nazi-Deutschland besiegt war, begann die Verbreitung einer Legende - der Legende von der "sauberen Wehrmacht", die Distanz zum NS-Regime gehalten, mit Anstand und Würde ihre soldatische Pflicht erfüllt habe und über die Greueltaten von Himmlers Einsatztruppen allenfalls nachträglich erfahren hätte. Die Ausstellung zeigt an drei Beispielen,. daß die Wehrmacht 1941 bis 1944 auf dem Balkan und in der Sowjetunion keinen "normalen" Krieg führte, sondern einen Vernichtungskrieg gegen Juden, Kriegsgefangene und Zivilbevölkerung, dem Millionen Menschen zum Opfer fielen.



Hannes Heer / Klaus Naumann (Hg.)
Vernichtungskrieg
Verbrechen der Wehrmacht 1941 - 1944

Hamburg: Hamburger Edition, 1995
ISBN 3-930908-04-2
DM 68,-

Der Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung dokumentiert die Beteiligung des deutschen Militärs an drei Großverbrechen: an der Vernichtung der Juden, am Massenmord an den Kriegsgefangenen und am Terror gegen die Zivilbevölkerung. Diese Verbrechen, die außerhalb des Völkerrechts und jenseits aller Regeln der Kriegführung verübt wurden, bestimmten vor allem den Charakter des Krieges gegen die Sowjetunion, fanden aber auch an anderen Fronten statt, so auf dem Balkan und in Italien. Wie gering in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft das Interesse an Aufklärung und Strafverfolgung war, welche Entschuldungen in den Medien verbreitet wurden und wie bereitwillig die militärgeschichtliche Forschung der 1950er und 1960er Jahre die Legende fortschrieb, thematisieren weitere Aufsätze dieses Bandes.



Gerhard Schreiber
Deutsche Kriegsverbrechen in Italien
Täter, Opfer, Strafverfolgung

München: Beck Verlag, 1996
ISBN 3 406 39268 7
24,. DM

Der Autor, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, untersucht die Behandlung der über 600.000 italienischen Soldaten, die nach Italiens Kriegsaustritt 1943 als "Militärinternierte" in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten. "Ohne Übertreibung konnten die gezwungenermaßen Arbeit leistenden Militärangehörigen als Militärsklaven bezeichnet werden. Die Behandlung der Militärinternierten im deutschen Machtbereich führt dazu, daß sich die Auseinandersetzung mit ihrem Schicksal unausweichlich zu einer Dokumentation für Inhumanität, Menschenverachtung, Erniedrigungen, die eine sadistische Phantasie zu nicht endenden Exzessen trieb, für seelische und körperliche Qualen sowie erbarmungslose Ausbeutung entwickelt. Über diese besondere Gruppe von Gefangenen des 'Dritten Reiches' schreiben, das heißt, von ihrer Mißhandlung seitens der Bewacher und Aufseher sprechen; von Orten erzählen, wo Menschen durch Nahrungsentzug, Isolierung, körperliche Züchtigungen, fehlende medizinische Versorgung und das Versagen des religiösen Beistands zerbrochen werden sollten; vom Haß berichten, mit dem ihnen die Mehrheit der deutschen Bevölkerung - soweit sie Kontakt mit ihr besaßen - entgegentrat; von Auswirkungen reden, die Krankheiten sowie psychische und physische Entkräftung mit sich brachten; und von allzu häufigen natürlichen, obwohl keineswegs normalen, sowie nicht selten gewaltsamen Todesfällen Zeugnis geben."



Friedrich Andrae
Auch gegen Frauen und Kinder
Der Krieg der deutschen Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung in Italien 1943 - 1945

München: Piper Verlag, 1995
ISBN 3-492-03698-8
DM 45,-

Der Autor beschreibt die deutsche Besatzung in Italien, die 1944, als sich die deutsche Herrschaft in Italien dem Ende zuneigt, in einen mit größter Brutalität geführten Krieg der Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung mündet. Mit allen Mitteln, inklusive Geiselerschießungen und Zerstörung ganzer Dörfer, versucht die Wehrmacht, die deutsche Herrschaft aufrecht zu erhalten.



Christoph Diekmann / Matthias Hamann u.a. (Hg.)
Repression und Kriegsverbrechen
Die Bekämpfung von Widerstands- und Partisanenbewegungen gegen die deutsche Besatzung in West- und Südeuropa

Berlin: Verlag der Buchläden, 1997 (Beiträge zur nationalsozialistischen Gesundheits- und Sozialpolitik Band 14) ISBN 3-924737-41-X DM 26,-

Thema des Heftes sind die polizeilichen und militärischen Strategien der Bekämpfung von Widerstands- und Partisanenbewegungen gegen die deutsche Besatzung in West- und Südeuropa. Widerlegt wird der Mythos, die Deutschen hätten dort eine moderate Besatzungspolitik verfolgt - im Gegensatz zur Vernichtungspolitik und den Massenverbrechen der Wehrmacht in Ost- und Südosteuropa. Die Beiträge rekonstruieren die deutschen Kriegs- und Besatzungsverbrechen, die aus dem antideutschem Widerstand allein nicht erklärt werden können, sondern auf den aggressiven Charakter der deutschen Expansionspolitik verweisen.



Hannes Heer
Tote Zonen
Die deutsche Wehrmacht an der Ostfront

Hamburg: Hamburger Edition, 1999
ISBN: 3-930908-51-4
DM 48,-

Der Krieg gegen die Sowjetunion war ein besonderer Krieg, deutlich unterschieden von dem im Westen und Norden Europas. Er war definiert als "Kampf zweier Weltanschauungen" und wurde von der Wehrmacht als Vernichtungskrieg geführt. Das Ergebnis war der millionenfache Mord an Kriegsgefangenen, Juden und anderen Zivilisten. Der Historiker Heer analysiert den Judenmord und den Partisanenkrieg im Osten und geht der Frage nach, wie es möglich war, daß Soldaten der Wehrmacht zu Massenmördern wurden und wie sie ihr Tun legitimierten. Viele Soldaten der Wehrmacht teilten die rassistische Weltsicht und identifizierten sich mit den Eroberungszielen im Osten; unter den Bedingungen des Vernichtungskrieges wurden sie zu Massenmördern. Indem sie den Rotarmisten zur "Bestie" erklärten und den Juden in einen "Partisanen" verwandelten, gelang es ihnen, das Kriegsverbrechen als angemessene Reaktion und den Völkermord als militärische Notwendigkeit zu legitimieren. Nach dem Scheitern des Blitzkrieges und unter dem Eindruck des permanenten Rückzugs wurde das eigene Tun als "Pflicht" gedeutet und zur Tugend veredelt. Dieses Selbstbild wurde zum Kern der Legende der "sauberen Wehrmacht", die nach 1945 die öffentliche Diskussion bestimmte und in den Zeiten des Kalten Krieges zum offiziellen Geschichtsbild wurde.



Omer Bartov
Hitler`s Army
Soldiers, Nazis, and War in the Third Reich

Oxford University Press 1992

Omer Bartov
Hitlers Wehrmacht
Soldaten, Fanatismus und die Brutalisierung des Krieges

Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 1995
ISBN 3-499-60793-X
DM 16,90

Die deutsche Wehrmacht sei - so zahlreiche Historiker - an manchen Orten in Unmenschlichkeiten verwickelt gewesen, aber dennoch eine Armee von preußischen Traditionen geblieben: unpolitisch und idiologiefern, Handwerker des Krieges. Der Militärhistoriker Bartov schildert anhand von Kriegstagebüchern, Briefen und unbekannten Dokumenten, wie die Wehrmacht bis zum Ruinenkampf in Berlin in großen Teilen, vom General bis zum einfachen Soldaten, erfaßt blieb von der nationalsozialistischen Ideologie und ihrem alle Realität verzerrenden Fanatismus. Die Gegner, dämonisiert und entstellt aus politischem und rassistischem Glauben, waren für die Wehrmacht keine Menschen mehr, während Adolf Hitler bis zum Ende eine vergötterte Figur blieb.



Walter Manoschek (Hg.)
Die Wehrmacht im Rassenkrieg
Der Vernichtungskrieg hinter der Front

Wien: Picus Verlag, 1996
ISBN 3-95452-295-9
DM 39,80

In diesem Band dokumentieren internationale Wissenschaftler, daß die Wehrmacht in der Sowjetunion und auf dem Balkan keinen "normalen" Krieg, sondern gemeinsam mit der SS einen Rassenkrieg gegen Juden, Sinti und Roma, Kriegsgefangene und Zivilisten führte, dem Millionen Menschen zum Opfer fielen. Unter der Formel "Kreuzzug gegen den jüdischen Bolschewismus" beteiligte sich die Wehrmacht aktiv an der Verwirklichung der Hauptziele des Nationalsozialismus: "Schaffung von Lebensraum im Osten" durch Dezimierung und Versklavung der "slawischen Untermenschen" und die physische Vernichtung der Juden, Sinti und Roma.



Christian Streit
Keine Kameraden
Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941 - 1945

Bonn: Verlag J.H.W. Dietz, 1997
ISBN 3-8012-5023-7
DM 49,80

Die Untersuchung belegt - "unanfechtbare Beweise gleich in Mengen aufeinandertürmend" (Süddeutsche Zeitung) - den maßgeblichen Anteil der deutschen Wehrmacht am Massenmord an den sowjetischen Kriegsgefangenen. Die Behandlung dieser Kriegsgefangenen wurde von dem Ziel bestimmt, einen Ausrottungskrieg gegen "Bolschewismus und Judentum" zu führen. Auf dieses Programm hatte sich die Generalität der Wehrmacht bei der Planung des Überfalls auf die Sowjetunion verpflichtet. Mehr als die Hälfte der 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen wurde erschossen, verhungert oder starb an den Folgen unmenschlicher Zwangsarbeit.



Paul Kohl
Der Krieg der deutschen Wehrmacht und der Polizei 1941 - 1945
Sowjetische Überlebende berichten

Frankfurt (Main): Fischer Taschenbuch Verlag, 1995
ISBN 3-596-12306-2
DM 19,90

Der Autor bereiste 1985 die Sowjetunion und befragte erstmals Überlebende des Vernichtungsfeldzuges der deutschen Wehrmacht und der Polizei. Kohl folgt den Spuren dieses völkerrechtswidrigen Angriffskrieges, welcher der Eroberung von "Lebensraum im Osten" diente, die Vernichtung des "jüdischen Bolschewismus" anstrebte und die Dezimierung der als rassisch minderwertig geltenden russischen Bevölkerung in Angriff nahm. In den eroberten Gebieten sollten die deutschen Herrenmenschen die slawische Bevölkerung in einem sklavenähnlichen Zustand halten und sie wirtschaftlich ausbeuten.



Rolf-Dieter Müller
Hitlers Ostkrieg und die deutsche Siedlungspolitik
Die Zusammenarbeit von Wehrmacht, Wirtschaft und SS

Frankfurt (Main): Fischer Taschenbuch Verlag, 1991
ISBN 3-596-10573-0
DM 19,80

"Lebensraum im Osten" - dieses Ziel war bereits im deutschen Kaiserreich verfolgt worden, erfaßte im "Dritten Reich" große Teile der deutschen Führungseliten und fand auch in der deutschen Bevölkerung Widerhall: rund 10 Millionen Deutsche führten zwischen 1941 und 1944 in den Weiten Rußlands einen Kampf zur Versklavung und Vernichtung der dort lebenden Bevölkerung, angespornt durch die Aussicht, als Siedler und "Wehrbauern" in den künftigen Ostkolonien die Herrenschicht zu bilden. Das Buch analysiert und dokumentiert die deutschen Planungen und Maßnahmen zur Ostsiedlung, die Initiativen von Professoren, Ministerien und Wirtschaftsverbänden, an deren Spitze sich die SS mit ihrem "Generalplan Ost" setzte.



Christian Gerlach
Kalkulierte Morde Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weissrussland 1941 bis 1944

Hamburg: Hamburger Edition, 1999
ISBN: 3-930908-54-9
DM 98,-

Wie kaum ein Gebiet unter deutscher Herrschaft ist Weißrußland im Zweiten Weltkrieg zerstört und die Zahl seiner Bevölkerung durch brutale Mordaktionen dezimiert worden. Nach drei Jahren deutscher Besatzung Weißrusslands (1941 bis 1944) war nichts mehr wie zuvor. Nahezu 1,7 von zehn Millionen Einwohnern waren ermordet, fast 400.000 als Zwangsarbeiter verschleppt worden. Die Städte des Landes waren zum Großteil in Ruinenfelder verwandelt, drei Millionen Menschen waren obdachlos. Die industrielle Kapazität tendierte gegen Null, und der Viehbestand war um 80% gesunken. Weißrussland schien fast ausgelöscht.
Der Historiker Gerlach untersucht auf breiter Quellenbasis die Praxis der Vernichtungspolitik und den Zusammenhang mit militärischen, wirtschaftlichen und politischen Zielen und Handlungen der deutschen Besatzer. Eindrucksvoll belegt wird die praktische Zusammenarbeit zwischen Organen und Akteuren verschiedener Ebenen, von Reichsministerien, SS, Wehrmacht, Zivilverwaltungen, Wirtschaftsgesellschaften und einheimischer Hilfspolizei. Trotz Rivalitäten unter den beteiligten Institutionen blieb eine gemeinsame Strategie des Terrors bestimmend, die vor allem auf der untersten Handlungsebene effektiv und in einer für die Opfer unheilvollen Weise funktionierte. Sie ging aus von der Umsetzung des Plans, Millionen Zivilisten und Kriegsgefangene in der Sowjetunion verhungern zu lassen. Dabei zeigt sich: Zwischen Wirtschaftsinteressen und Massenmord bestanden enge Verbindungen.



Christian Gerlach
Krieg, Ernährung, Völkermord
Forschungen zur deutschen Vernichtungspolitik im Zweiten Weltkrieg

Hamburg: Hamburger Edition, 1998
ISBN 3-930908-39-5
DM 24,-

Der Autor untersucht, von welchen Motive sich die NS-Führung leiten ließ, als sie in den Jahren 1941 und 1942 der Entscheidung zum Völkermord faßte. Dabei zeigt sich, in welchem Umfang auch Reichsbehörden, Parteidienststellen und vor allem Militär- und Zivilverwaltungen in den besetzten Gebieten - insbesondere im Osten - am Vernichtungskrieg teilhatten.

1945-1989

Die Kapitulation der Wehrmacht (8. Mai 1945) scheint dem preußischen Militarismus und den Weltherrschaftsplänen der deutschen Eliten ein Ende zu bereiten. Doch mit Bruch der Anti-Hitler-Koalition geraten die versprengten Wehrmachtsgenerale in eine günstige Lage. Sie verfügen über Kenntnisse und ein folgsames Personal, das sowohl den USA als auch der UdSSR hilfreich sein könnte. Während es dem östlichen Systemgegner nicht gelingt, wesentliche Teile der deutschen Militärs für eine völlige Neuorientierung zu gewinnen, stellen sich der westlichen Seite bedeutende Vertreter des Offizierskorps und der Hitler-Generalität zur Verfügung. Sie nutzen die politische Konjunktur und sind bereit, eine neue deutsche Armee aufzubauen, für die sie "Gleichbehandlung" fordern. Die Waffenproduktion (einschließlich atomarer Waffen) müsse in eigener Regie erfolgen, der zukünftige Waffenbesitz habe deutscher Souveränität zu unterstehen, heißt es in einer frühen Denkschrift. 1949 erklärt der damalige Bundeskanzler Adenauer: "Der Krieg zwischen Amerika und Rußland kommt auf jeden Fall - und dann müssen wir auf der richtigen Seite dabei sein."
Die vor der kriegsmüden deutschen Bevölkerung geheimgehaltene Wiederaufrüstung (Amt Blank) führt 1956 zur Gründung der Bundeswehr; in der DDR entsteht die Nationale Volksarmee. Beide Teilarmeen sind in die jeweiligen Paktsysteme integriert. Die Bundeswehr wird in den nächsten Jahrzehnten zu einer der bestausgerüsteten Armeen in Europa. Mehrere Versuche atomarer Selbstbewaffnung scheitern. Durch Einbindung in die NATO und verfassungsrechtliche Aggressionsverbote ist die Handlungsfähigkeit der westdeutschen Streitkräfte bis 1989 entscheidend eingeschränkt. Nach Angliederung der DDR und Auflösung der Nationalen Volksarmee überdauert nur die Bundeswehr und wird zum militärischen Arm des vergrößerten deutschen Staates.



Rautenberg, Hans-Jürgen / Wiggershaus, Norbert
Die "Himmeroder Denkschrift" vom Oktober 1950
Politische und militärische Überlegungen für einen Beitrag der Bundesrepublik Deutschland zur westeuropäischen Verteidigung

in: Militärgeschichtliche Mitteilungen, 1/1977, S. 135-206

Die Autoren rekonstruieren die Anfänge der Debatte über eine deutsche Wiederaufrüstung; sie dokumentieren die entsprechenden Denkschriften und Memoranden - insbesondere die "Denkschrift über die Aufstellung eines deutschen Kontingents im Rahmen einer übernationalen Streitmacht zur Verteidigung Westeuropas" ("Himmeroder Denkschrift").
Auf Initiative der Bundesregierung trafen sich im Oktober 1950 im Eifel-Kloster Himmerod 15 führende Offiziere der ehemaligen deutschen Wehrmacht, um die Voraussetzungen für eine wiederzuerrichtende deutsche Armee zu skizzieren. Das unter Geheimhaltung stattfindende Treffen verstieß gegen alliierte Nachkriegsgesetze und wurde vor der kriegsmüden deutschen Öffentlichkeit abgeschirmt.
Die ehemaligen militärischen Stützen des NS-Regimes verlangten, die neue deutsche Armee solle im Rahmen einer "atlantisch-europäischen Verteidigungsarmee" entstehen; gefordert wurde die "gleichwertige Ausstattung der deutschen Verbände mit moderner Bewaffnung und Gerät" sowie die "Rehabilitierung des deutschen Soldaten". Für ihre Generals-Kameraden, die wegen zahlloser Massenverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit in alliierten Gefängnissen einsaßen, forderte die Himmeroder Militärrunde "Freilassung der als 'Kriegsverbrecher' verurteilten Deutschen".
Nach Einschätzung der Autoren haben die konzeptionellen Kerngedanken der Denkschrift "in bemerkenswerter Weise die späteren Planungen beeinflußt". Das ist nicht verwunderlich, da mehrere Teilnehmer des Himmeroder Treffens in der späteren Bundeswehr an führender Stelle Verwendung fanden.



Matthias Küntzel
Bonn und die Bombe
Deutsche Atomwaffenpolitik von Adenauer bis Brandt

Frankfurt/Main; New York : Campus-Verl., 1992
ISBN 3-593-34654-0
DM 48,-

Der Autor zeigt in seiner Studie, daß die Bundesrepublik Deutschland keineswegs - wie in offiziellen Stellungnahmen behauptet wird - freiwillig auf die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen verzichtete. Der Ruf nach "gleichen Waffen" für Nachkriegsdeutschland ist älter als die Bundesrepublik: Bereits im Juni 1948 forderte der ehemalige Wehrmachtsgeneral Speidel in einer Denkschrift die "Gleichbehandlung" der künftigen deutschen Armee hinsichtlich Waffenbesitz und -produktion. Die Bundesregierung unterstützte diese Position und war nur unter dem Druck der Alliierten bereit, den Verzicht auf Atomwaffen zu erklären.
In den folgenden Jahrzehnten versuchten die bundesdeutschen Regierungen immer wieder, diesen aufgezwungenen Verzicht auf die Atombombe zu durchbrechen oder zu umgehen. Der Atomwaffensperrvertrag sei ein "neues Versailles von kosmischen Ausmaßen" hieß es. 1958 unterzeichneten der deutsche Verteidigungsminister und sein französischer und italienischer Amtskollege ein Geheimabkommen zur gemeinsamen Produktion von Atomwaffen, daß allerdings nicht umgesetzt werden konnte.
In der Folgezeit traten die deutschen Regierungen für eine weitgehende Abschwächung der Kontrollen und die Liberalisierung des Nuklearhandels ein; die Bundesrepublik lieferte Nukleartechnologie an Länder wie dem Irak, die ein eigenes Atomwaffenprogramm verfolgten.
Nach dem Anschluß der DDR wurde der Ruf nach eigenen deutschen Atomwaffen wieder laut. Inzwischen richten sich die Bestrebungen der deutschen Politik aber eher darauf, über die Entwicklung der EU und einer gemeinsamen "Sicherheitspolitik" Mitspracherechte über und damit Zugriff auf die französischen und britischen Atomwaffen zu erhalten.

1989-2002

Mit Abschluss der Verhandlungen über einen Friedensvertrag (2+4 Vertrag) rücken die deutschen Streitkräfte bis an die Westgrenze Polens vor (1990). Zwar bleibt dem deutschen Militär untersagt, biologische, chemische und atomare Waffen herzustellen, zu besitzen oder über solche Waffen zu verfügen; auch wird die Mannschaftsstärke der Bundeswehr begrenzt (auf maximal 345.000 Personen). Doch diese Einschränkungen hindern die militärische Führung nicht, weitreichende Visionen zu formulieren.
Mit den "Verteidigungspolitischen Richtlinien", die 1992 erlassen werden, verabschiedet sich die Bundeswehr von ihrer früheren Rolle als "Verteidigungsarmee" und erhebt Anspruch, weltweiter Statthalter des wiedervereinigten, wirtschaftlich expandierenden Deutschland zu werden. Militärische Mittel, heißt es in den "Richtlinien", seien notwendig, um "den politischen Handlungsspielraum Deutschlands und das Gewicht, mit dem die deutschen Interessen international zur Geltung gebracht werden können", zu erweitern.
Im Rahmen bilateraler Militärabkommen beginnt die Bundeswehr mit der Ausbildung osteuropäischer Offiziersanwärter und stationiert operative Einheiten in den militärtechnisch abhängigen Nachbarstaaten (Polen, Baltische Republiken). Dabei benutzen die deutschen Militärs Strukturen der von ihnen übernommenen Nationalen Volksarmee der DDR. In Südosteuropa kommt es zu ersten Kampfeinsätzen der Bundeswehr im Ausland, schließlich zur Beteiligung an Luftbombardements auf zivile Ziele in der Bundesrepublik Jugoslawien (1999).
Der erfolgreiche, von nennenswertem Widerstand nicht behinderte Abschluss der Gewaltoperationen ermutigt Berlin zu weiteren Schritten. Die Befehlsstruktur der Bundeswehr wird hierarchisiert und in einem "Einsatzführungskommando" zusammengefaßt. Der neue deutsche Generalstab verfügt über eine ständig modernisierte Interventionsstreitmacht mit High-Tech-Bewaffnung und Sondereinheiten (KSK). Sie unterliegen dem Geheimschutz.
Die Kriege in Jugoslawien, Mazedonien und Afghanistan (einschließlich des Einsatzes der deutschen Marine vor Afrika im Jahr 2002) werden zu Probeläufen bei der inneren Formierung der Bundeswehr unter Kampfbedingungen. Die deutschen Streitkräfte steigen zu Rivalen der führenden Armeen in Westeuropa auf.



Bundesminsterium der Verteidigung
Verteidigungspolitische Richtlinien

Bonn, 26. November 1992

Das Grundsatzpapier erhebt den Anspruch, nach den weltpolitischen Umwälzungen von 1989/90 "die Rolle des vereinten Deutschland ... einschließlich seiner strategischen Horizonte neu zu bestimmen". Die deutsche Militärführung sieht die Zeit gekommen, weitreichende Ansprüche zu stellen: "Der sicherheitspolitische Umbruch hat die strategische Ausgangssituation Deutschlands grundlegend verbessert. ... Unser Land besitzt aufgrund seiner politischen und wirtschaftlichen Potenz eine Schlüsselrolle für die Fortentwicklung der europäischen Strukturen. Ohne Deutschland ist es unmöglich, die osteuropäischen Völker zu integrieren. Ohne Deutschland wird es keine Sicherheitsstruktur in und für Europa geben, die auch die Sicherheitsinteressen der jungen Demokratien befriedigt. Ohne Deutschland werden die durch kommunistische Kommandowirtschaft ruinierten Staaten ökonomisch und sozial nicht gesunden; denn nur mit Deutschland wird die Europäische Gemeinschaft ihre politisch-ökonomische Dynamik entfalten und als Kraftquelle für den wirtschaftlichen Gesundungsprozeß ganz Europas bereitstehen können. In dieser Situation ist Deutschland eine maßgebliche Bezugsgröße für die Politik seiner Partner. (...) In den USA ist es heute zwischen den maßgeblichen politischen Kräften unstrittig, daß die verfügbaren nationalen Ressourcen prioritär auf innere Bedürfnisse konzentriert werden müssen. Damit sind weniger Mittel zur gestalterischen Einflußnahme auf die internationale Politik verfügbar. (...) Europa muß ... die Fähigkeit entwickeln, als gestaltende Kraft und global wirkender Akteur maßgeblich an der Lösung der großen weltweiten Zukunftsaufgaben mitzuwirken." Um dieser Führungsrolle gerecht zu werden, dürfe sich die deutsche Sicherheitspolitik "weder inhaltlich noch geographisch eingrenzen". Priorität habe nicht mehr die Landesverteidigung, sondern die Kriegführung außerhalb des eigenen Territoriums: "Zukünftig muß aber politisches und militärisches Krisen- und Konfliktmanagement im erweiterten geographischen Umfeld eindeutig im Vordergrund unserer Maßnahmen ... stehen. (...) Ein Teil der deutschen Streitkräfte muß ... zum Einsatz außerhalb Deutschlands befähigt sein. (...) Soldatische Professionalität muß sich ... an den realen Bedingungen von Krieg, Gefahr und menschlichem Elend orientieren, unter denen Soldaten künftig ihren Dienst leisten werden." Die deutsche Militärpolitik müsse "risiko- und chancenorientiert" sein, denn Qualität und Quantität der militärischen Beiträge "bestimmen den politischen Handlungsspielraum Deutschlands und das Gewicht, mit dem die deutschen Interessen international zur Geltung gebracht werden können."



Wolfgang Michal
Deutschland und der nächste Krieg

Berlin: Rowohlt Berlin Verlag, 1995
ISBN 3-87134-233-5
29,80,- DM

Frühe Warnung vor Berliner Weltherrschaftsplänen: ``Alles beginnt wie einst ... Die wiedervereinte Nation lockert ihre Bindungen nach Westen und besinnt sich auf ihre ursprüngliche Ost-Orientierung - wie zu Zeiten Bismarcks. In der erweiterten Europäischen Union werden die alten Mitteleuropapläne Wirklichkeit ... Und ist das neue Deutschland erst stark genug, wird es seine Interessen auch außerhalb Europas definieren.``



Jürgen Grässlin
Lizenz zum Töten?
Wie die Bundeswehr zur internationalen Eingreiftruppe gemacht wird

München: Droemer Knaur Verlag, 1997
ISBN 3-426-80081-0
DM 16,90

Die Bundeswehr, die sich bis 1991 als "Verteidigungsarmee" verstand, wird eine schlagkräftige Interventionsstreitmacht mit High-Tech-Bewaffnung. Ersten "humanitären Hilfsaktionen" folgten Out-of Area-Kampfeinsätze. Der Autor geht der Frage nach "Welche Ziele verfolgen Bundesregierung und militärische Führung wirklich?" und antwortet: "Auftrag der neuen Bundeswehr ist die Durchsetzung der vitalen Interessen der Bundesrepublik Deutschland. Unter dem Deckmantel 'humanitärer' Interventionen für Frieden und Menschenrechte werden Kampfeinsätze vorbereitet und durchgeführt. ... zur neuen Bundeswehrstrategie zählt unter anderem die 'Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt'- mit Waffengewalt, versteht sich."



Tobias Pflüger
Die neue Bundeswehr
Mit neuer Strategie, Struktur und Bewaffnung in den Krieg?

Köln: ISP Verlag, 1997
ISBN 3-929008-63-7
DM 14,80

In den 90er Jahren entstand schrittweise eine neue Bundeswehr, die weltweit für �deutsche Interessen` eingesetzt wird. Der Autor dokumentiert diesen Prozeß durch Kernaussagen der Strategiepapiere der Bundeswehrführung. Erkennbar wird eine "Militarisierungsspirale": "Nach der Einführung einer neuen Strategie für die Bundeswehr und der anschließenden Umstrukturierung und der nun erfolgenden Neubewaffnung wird demnächst ein verstärkter Export von Kriegswaffen auch in Kriegs- und Krisengebiete erfolgen. Bundesdeutsche Soldaten werden in Einsätze geschickt werden, die ausschließlich Kampfcharakter haben, die sogenannten 'humanitären' Einsätze waren im wesentlichen notwendig zur Akzeptanzbeschaffung für spätere reine Kampfeinsätze. (...) Erschreckend ist, daß bei der neuen strategischen Entwicklung, bei den neuen Militärstrukturen und bei den Neubeschaffungsmaßnahmen leider Deutschland jeweils eine zentrale Rolle spielt."



Klaus Naumann
Der nächste Konflikt wird kommen
Erfahrungen aus dem Kosovo-Einsatz

Europäische Sicherheit 11/1999

Klaus Naumann
Der Krieg gegen Serbien war ein Erfolg

Frankfurter Allgemeine Zeitung 1.10.1999
(gekürzte Fassung)

General a.D. Klaus Naumann, ehemals ranghöchster Soldat der Bundeswehr und Vorsitzender des Militärausschuß der NATO, stellt in einem Vortrag klar, daß der Krieg gegen Jugoslawien nur der Auftakt für weitere Kriege war: "Wenn ich über den Kosovo-Krieg berichte und dabei auch Fehler anspreche, dann möchte ich gleich zu Beginn sagen: Ich habe diese Fehler mitgemacht; aber es ist wohl richtig, daß wir nach einem solchen Konflikt feststellen: das machen wir beim nächsten Mal besser. Denn der nächste Konflikt wird kommen." Der Kosovokrieg sei nüchtern auszuwerten, "um beim nächsten Mal noch besser zu sein und vor allem noch schneller den Gegner zum Einlenken zwingen zu können" denn: "Die andere, bedeutendere Lektion, die wir aus dieser Erfahrung gelernt haben, ist die, dass wir unsere militärischen Schritte nicht auf Ziele wie die Rückkehr zu Verhandlungen ausrichten sollten. Wir sollten vielmehr die Planung auf das ehrgeizigere Ziel ausrichten, dem Gegner unseren Willen aufzuzwingen." Die bevorstehenden Kriege mit deutscher Beteiligung würden noch umfassender und brutaler: "Daraus muß man eine Konsequenz klar ableiten: Die Formel, keine eigenen Verluste, möglichst keine Verluste beim Gegner und seiner Zivilbevölkerung und rasches Ende des Konflikts, die kann nicht aufgehen." Dies sei unabdingbar, um die eigenen Interessen durchzusetzen ("Es geht um viel mehr als um die Bundeswehr. Es geht um unsere Politikfähigkeit schlechthin. ... Wir müssen das auf die Waagschale bringen, was uns Einfluß sichert.") - und zwar weltweit: "... die Europäische Union muß endlich auch begreifen, daß sie eine globale Macht ist und nicht nur im Hinterhof agieren kann."



Karl Feldmeyer
Klärungsbedarf bei der Bundeswehr

Frankfurter Allgemeine Zeitung 9.1.2001, S. 1

Der Leitartikler der FAZ konstatiert einen Paradigmenwechsel in Auftrag und Selbstverständnis der Bundeswehr: "Zur Bereitschaft, den eigenen Staat auf seinem Territorium gegen einen Aggressor zu verteidigen, muß nun diejenige kommen, notfalls ein anderes Land anzugreifen ..." Das bringe für deutsche Soldaten psychologische Probleme mit sich - ihnen müsse das Gefühl vermittelt werden, zu recht Kriege zu führen: "Für Deutsche, deren Großvätern die Anerkennung dafür verweigert wird, daß sie als Soldaten ihr Leben riskierten, weil sie in einer Armee dienten, die zu Angriffskriegen mißbraucht wurde, haben militärische Interventionen eine dramatische Dimension. Sie umfaßt die Frage der Enkel, ob sie sich vor den Vorwürfen sicher wissen dürfen, die ihre Großväter bis heute hinnehmen müssen." Die Politik sei gefordert, die Legitimation für den Angriffskrieg zu liefern und klarzustellen, "unter welchen Bedingungen ein Einsatz militärischer Gewalt, der über die Landesverteidigung hinausgeht, gerechtfertigt, ja politisch wie moralisch geboten sein kann."



Wilfried A. Herrmann
Das Kaspische Meer - Krisenregion der Zukunft?

Europäische Sicherheit 11/1999

Der Autor, Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr, entdeckt in der kaspischen Region - dem sogenannten Transkaukasus - "instabile Verhältnisse", da "diese Region nicht nur in der ethnischen und religiösen Zusammensetzung problematisch" sei, sondern zugleich der Schnittpunkt der Interessen verschiedener Staaten. Er fordert von den Verbündeten, sich auf einen Krieg in dieser Region - "einen möglichen Kaukasus-Einsatz der NATO" - vorzubereiten: "Stabilitätsexport` als präventive Maßnahme, aber auch politische und militärische Intervention als Teil eines Krisenmanagements und zur Stabilisierung eines Staates oder einer Region werden deshalb mit der Zunahme politischer Instabilitäten immer wahrscheinlicher. Ein Beispiel ist der Kosovoeinsatz. Allerdings müssen die NATO-Planer ihr Augenmerk nicht nur auf den Balkan, sondern auch auf andere Krisenregionen an der strategischen Peripherie des Bündnisses richten, die unter Umständen ein ähnlich großes Engagement verlangen könnten."



Ulrich Sander
Szenen einer Nähe
Vom großen RechtsUm bei der Bundeswehr

Bonn: Pahl-Rugenstein Verlag, 1998
ISBN 3-89144-258-0
DM 19,90

Immer wieder sorgen neofaschistische Skandale in der Bundeswehr für Aufsehen. Der Autor untersucht die strukturellen Hintergründe und Rahmenbedingungen der rechtsextremen Orientierungen und Aktivitäten von Soldaten und kommt zu dem Schluß: Die Bundeswehr ist seit ihrer Gründung ein Sammelbecken für Nationalisten und autoritäre Kräfte. Aufgebaut von Offizieren, die aus dem Generalstab Hitlers übernommen wurden, bleibt sie bis heute mit der Glorifizierung von Generälen der Nazi-Zeit und der Legende von der "sauberen Wehrmacht" verhaftet. Die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages muß in ihrem Jahresbericht 1997 feststellen, daß innerhalb der Bundeswehr die "gebotene Distanz zur deutschen Wehrmacht" nicht eingehalten wird.



Johannes Klotz (Hg.)
Vorbild Wehrmacht?
Wehrmachtsverbrechen, Rechtsextremismus und Bundeswehr

Köln: PapyRossa-Verlag, 1998
ISBN 3-89438-162-0
DM 24,80

Die Autoren dieses Bandes - Historiker und Publizisten - untersuchen den Zusammenhang zwischen der neuen deutschen Machtpolitik, die auch wieder auf militärische Mittel setzt, und dem Blick auf die Verbrechen der Nazi-Wehrmacht. Der Militärhistoriker Wette stellt fest: "Etliche Soldaten verstehen die von politischer Seite seit 1990 verkündete �neue Normalität` als Erlaubnis zum Rückgriff auf Traditionen aus der Zeit des deutschen Sonderwegs vor 1945, besonders auf Traditionen der Wehrmacht des NS-Staates. Beginnend mit dem Historikerstreit von 1986/87, verstärkt seit der deutschen Einigung von 1989, häufen sich in der deutschen Öffentlichkeit die Relativierungen und Beschönigungen der Untaten des NS-Gewaltregimes. Daran beteiligen sich nicht nur die alten Rechtsextremisten, sondern auch Publizisten, Hochschullehrer und Militärhistoriker, die man bislang noch zum demokratisch-konservativen Lager rechnete." Am Ende steht die Erkenntnis: "Festzustellen ist eine Rückkehr Deutschlands in die Kontinuität einer imperialistischen Machtpolitik, die jetzt auch wieder mit militärischen Mitteln verfochten werden soll. Die revisionistischen Geschichtsbilder, wie sie innerhalb und außerhalb der Bundeswehr vertreten werden, sollen die historischen Barrieren, die einer ungehemmten deutschen Machtpolitik bisher entgegenstanden, überwinden."



Lorenz Knorr
Rechtsextremismus in der Bundeswehr
Deutsches Militär - von Massenmördern geprägt?

Frankfurt (Main): Verlag für Akademische Schriften, 1998
ISBN 3-88864-265-5
DM 29,50

Der Autor vertritt die These, der verbreitete Rechtsextremismus in der Bundeswehr komme nicht einfach - wie immer behauptet - "aus der Gesellschaft", sondern sei vermittelt von der Generalität. In seiner faktengestützten Untersuchung benennt der Autor die internationalen sowie die innenpolitischen Ursachen dafür, daß die am Massenmord beteiligten Generäle der Wehrmacht die Bundeswehr nachhaltig zu prägen vermochten.



Ralph Giordano
Die Traditionslüge
Vom Kriegerkult in der Bundeswehr

Köln: Verlag Kiepenheuer && Witsch 2000
ISBN 3-462-02921-5
DM 45,-

Giordano betrachtet den Angriffskrieg des Deutschen Reiches im II. Weltkrieg als das zentrale Verbrechen, das die Vernichtungspolitik und Auschwitz erst ermöglichte. Er analysiert die Ausprägungen des deutschen Militarismus von den Anfängen des deutschen völkischen Nationalismus (Arndt und Fichte) über den Ersten Weltkrieg bis zum Vernichtungskrieg der Wehrmacht und zeigt auf, wie weitgehend diese Tradition die neugegründete Bundeswehr beeinflußte und bis heute fortwirkt.



Wolfgang Schneider (Hg.)
Bei Andruck Mord
Die deutsche Propaganda und der Balkankrieg

Hamburg: KVV Konkret, 1997
ISBN 3-930786-09-5
DM 19,80

Der Band beleuchtet die tätige Mithilfe des wiedervereinigten Deutschland bei der Verwandlung Jugoslawien in ein Schlachtfeld. Enthalten sind Beiträge zum antijugoslawischen Propagandafeldzug deutscher Medien, zur Ausnutzung des Balkankrieges für die Militarisierung der deutschen Außenpolitik im Rahmen erneuter deutscher Weltmachtambitionen und zur Gleichschaltung der deutschen Öffentlichkeit.



Ralph Hartmann
"Die ehrlichen Makler"
Die deutsche Außenpolitik und der Bürgerkrieg in Jugoslawien

Berlin: Dietz Verlag, 1999
ISBN 3-320-01958-9
DM 24,90

Hartmann. langjähriger Botschafter der DDR in Belgrad, untersucht anhand einer Fülle von Dokumenten die Phasen der deutschen Einmischung in Jugoslawien und legt ihre Formen und Methoden ebenso wie ihre Motive und Folgen dar.



Jürgen Elsässer (Hg.)
Nie wieder Krieg ohne uns
Das Kosovo und die neue deutsche Geopolitik

Hamburg: KVV Konkret, 1999
ISBN 3-930786-23-0
DM 22,80

Das Buch liefert Hintergrundinformationen zur Kontinuität der deutschen Balkanstrategie seit der Jahrhundertwende, zum Zusammenspiel des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) und der kosovarischen UCK, zum deutsch-amerikanischen Machtkampf vor, während und nach dem Krieg gegen Jugoslawien, zur neuen NATO-Strategie und zur Gefahr eines Dritten Weltkrieges.



Klaus Bittermann / Thomas Deichmann (Hg.)
Wie Dr. Joseph Fischer lernte, die Bombe zu lieben
Die SPD, die Grünen, die Nato und der Krieg auf dem Balkan

Berlin: Edition TIAMAT, 1999
ISBN 3-89320-025-8
DM 30,-

In den Beiträgen des Buches werden die propagandistischen Vorbereitungen des Krieges beschrieben sowie die Bemühungen, dem deutschen Kriegseintritt mit der Verteidigung der Menschenrechten zu begründen.



Karam Khella (Hg.)
Der Fall Jugoslawien

Hamburg: Theorie und Praxis Verlag, 1999
ISBN 3-921866-71-5
DM 36,-

Behandelt werden die Geschichte Jugoslawiens, die Dynamik westlicher Interventionspolitik im Jugoslawienkonflikt einschließlich der Förderung der separatistischen Bewegung im Kosovo und insbesondere die deutschen Aktivitäten zur Auflösung Jugoslawiens.



Matthias Küntzel
Der Weg in den Krieg
Deutschland, die Nato und das Kosovo

Berlin: Elefanten Press Verlag, 2000
ISBN 3-88520-771-0
DM 29,90

Gestützt auf eine systematische Auswertung aller verfügbarer Quellen belegt Küntzel, daß Deutschland keineswegs "gutwillig, überfordert, am Ende machtlos" in diesen Krieg hineinschlidderte oder gar von den USA gedrängt wurde. Die Vorgeschichte führt stattdessen vor Augen, daß keine andere NATO-Macht diesen Konflikt so wie Deutschland zielstrebig und bewußt geschürt hat.



Heinz Loquai
Der Kosovo-Konflikt
Wege in einen vermeidbaren Krieg

Baden-Baden: Nomos Verlag, 2000
DM 39,-

Am 24. März 1999 begannen die NATO-Luftangriffe gegen Jugoslawien. Der ehemalige OSZE-Mitarbeiter und Brigadegeneral Loquai hat in seiner kritischen Studie die Zeit von Ende November 1997 bis März 1999 untersucht. Gestützt auf Berichte der deutschen Botschaft in Belgrad und der Kosovo-Verifikationsmission analysiert Loquai Strategie und Verlauf des Bürgerkriegs, die Rolle von OSZE und NATO sowie die gescheiterten Versuche, den Konflikt politisch zu lösen. Seine Untersuchung offenbart die "zumeist einseitige und eindimensionale" Darstellung des Kosovo-Konflikts in den deutschen Medien und lässt erhebliche Zweifel daran aufkommen, ob es überhaupt einen serbischen Plan zur systematischen Vertreibung der albanischen Bevölkerung, den sogenannten "Hufeisenplan", gab.



Jürgen Elsässer
Kriegsverbrechen
Die tödlichen Lügen der Bundesregierung und ihre Opfer im Kosovo-Konflikt

Hamburg: Konkret Verlag, 2000
ISBN
26.80 DM

Elsässers materialreiche Studie über die Lügen im Krieg gegen Jugoslawien recherchiert die Meldungen nach, die den Kriegseintritt vorbereiteten, den Krieg begleiteten und die auch nach dem Ende noch immer als Rechtfertigungsgrund dienen. Mit den damals aktuellen Stichwörtern wie "Rampe von Srebenica", "Massaker von Racak" und "Hufeisenplan" zur systematischen Vertreibung der albanischen Bevölkerung wurde einer breiten Öffentlichkeit suggeriert, die NATO müsse in Jugoslawien ein "zweites Auschwitz" verhindern. Der Autor, der für sein Buch eine Reihe von Dokumenten, Expertisen und Materialien der UNO, der OSZE, des Haager Tribunals und des Auswärtigen Amtes studierte, weist nach, daß deutsche Politiker zur Begründung der Beteiligung der Bundeswehr mit gezielten Falschinformationen die Debatte erst richtig angeheizt haben.



Hans-Rüdiger Minow / Stephan Eggerdinger
Der Terror des Krieges
Der Überfall auf Jugoslawien und die Eroberung Südosteuropas

München: Verlag zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung, 2000
ISBN 3-00-005809-5
DM

Das Buch dokumentiert die Beiträge (aus den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Jugoslawien) zu einer wissenschaftlichen Konferenz und Veranstaltung über den Krieg gegen Jugoslawien. Die Autoren behandeln u.a. die Kriegsführung der Bundeswehr, die fehlende Legitimation durch das Völkerrecht sowie die Funktionalisierung des Antifaschismus zur Rechtfertigung des Krieges.

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